14 Antworten

Was ihr schon immer über eine Tribal Fusion Tänzerin und Dozentin wissen wolltet? Im August 2017 veranstaltete ich den ersten Online Kongress und interviewte 10 Tribal Fusion Expertinnen aus Deutschland und der Schweiz. Selbstverständlich beantworte ich diese 14 Fragen ebenfalls sehr gerne! Ich muss zugeben, das Beantworten dieser Fragen nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals für die wertvolle Zeit bedanken, welche die Tribal Fusion Expertinnen beim Beantworten und Filmen für den Online Video Kongress hatten. Viel Spass beim Lesen!

 

  1. Wie bist du ursprünglich zum Tribal Fusion Tanz gekommen?
    Im Frühling 2007 durfte ich mit meiner damaligen kleinen Showgruppe im Vorprogramm
    bei einer Show im Schlossgut Münsingen eines namhaften Berner Studios von Nabila Marie-Anne Scherrer mit meiner Eigentanzkreation „Oriental Moves“ mittanzen, das war ein Mix aus Orientalischem Tanz und Hip Hop. Selbstverständlich blieb ich dann am Abend dort, um mir die Gala-Show anzusehen. Da sah ich zum ersten Mal Tribal Fusion in seiner unglaublich schönen, berührenden und mystischen Art auf der Bühne. Als ich das sah, stand für mich die Welt still, mein Mund blieb offen, mein Blick so fasziniert, fast meinen Atem vergessend. Diese Musik, diese Kostüme, diese geheimnis- und kraftwollen Bewegungen… Ich konnte es kaum glauben, dass es sowas gab! Getanzt haben da sehr wahrscheinlich die ersten Tribal Fusion Tanzfrauen in der Schweiz, denk ich, die es damals gab. Nach dieser Show, ich kam spät am Abend nach Hause, sass ich sofort an meinen Computer und recherchierte was das Zeug hält! Da kam ich natürlich auf das Video von Rachel Brice, welches mich definitiv in seinen Bann gezogen hatte. Das war meine Welt! Da wollte ich dann alles wissen und entdeckte ziemlich schnell viel Interessantes über das Thema Tribal Fusion. Hier gerne der Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ryZA68xoly8
  2. Bei wem hast du ganz am Anfang Tribal Fusion Unterricht genommen?
    Bereits im Jahr 2007 nach dieser genannten Show habe ich dann Unterricht bei Kalisha (Rita) genommen, bei der damaligen Tanzlehrerin der oben erwähnten Tanzgruppe der Show in Münsingen. Da fuhr ich dann also jeden Freitag damals von Kestenholz nach Bern, um zu ihr in den Kurs zu gehen. Diese Frauen in diesem Kurs wollten dann eine Tribal Fusion Showgruppe aus diesem Freitagskurs gründen, Equinox Orientalis. Ich denke, nein ich bin mir sicher, das war die erste Tribal Fusion Showgruppe in der Schweiz!
  3. Falls du zuerst den Orientalischen Tanz kennengelernt hast, wie war das für dich, als du gemerkt hast, dass sich Tribal Fusion „so anders“ anfühlt als der Orientalische Tanz?
    Ja genau, ich habe zuerst den Orientalischen Tanz im Jahre 2002 gelernt, ich war bereits von den orientalischen Bewegungen so angetan, dass ich damals sogar 2 x in den Orientalischen Tanzkurs (bei der selben Tanzlehrerin Gabriela, Solothurn) ging und jeden Morgen extra früher aufgestanden bin, um vor dem Spiegel 20 Minuten die Basisbewegungen des Orientalischen Tanzes zu üben. Ich habe mir schon damals diese Bewegungen verinnerlichen wollen. Bei einem Tribal Fusion Workshop in Bern mit Sharon Kihara habe ich dann bei der Wipp-Bewegung das erste Mal gespürt, dass sich das anders bzw. erdiger, kraftvoller und „genauer“ anfühlt (das war eben dann das muskuläre Tanzen) als beim Orientalischen Tanz. So merkte ich dann auch, dass sich all die andern Bewegungen wie z. B. die Schlangenarme, der Oberkörperkreis (das Schieben des Oberkörpers z. B.) viel kraftvoller, geführter und bewusster angefühlt haben. So sagte ich mir dann während diesem Workshop „ah, ein praktisch neues Tanzgefühl entsteht hier“.
  4. Kannst du dem zustimmen, dass Tribal Fusion dein Wahrnehmungs- und Körpergefühl im Positiven verändert hat? Wie hast du dies empfunden?
    Dem kann ich sehr gut zustimmen! Ich war ja damals gerade in meiner professionellen Tanzausbildung in der Tanzschule Macciacchini in Zürich und Rupperswil von 2006 – 2009 und schon durch das mind. 8-stündige Training pro Woche wurden wir ja darauf getrimmt, beim Tanzen den Bauchnabel einzuziehen, ständig die Mitte zu finden und zu halten, somit auch unser Kreuzbereich im unteren Rücken zu stützen, zu schützen und natürlich die Aufrichtung des Oberkörpers, des Brustbeins, welche beim Tribal Tanz noch ausgeprägter ist. Tribal Tanz Training führte dazu, dies sich noch mehr anzueignen. Hinzu kommt, dass ich beim Tribal tanzen bewusst und kraftvoll meine Tanzbewgungen führe und steuere und oft gleichzeitig „fest mit dem Boden verwurzelt bin“. Tribal hat mein Wahrnehmungs- und Körpergefühl verändert, in dem ich genau spüre, was ich mit welchem Körperteil bzw. mit welchem Muskel ausführe. Somit ist ein neues kraftvolles Tanz- und auch Lebensgefühl entstanden. Mich hat dies so positiv beeinflusst, dass ich damals ein Zitat geschrieben habe:

    TRIBAL FUSION
    ist Fluss, ist Moment mit Kraft, Würde und Ausdruck.
    Tribal Fusion ist Weg und Ziel, jede Bewegung, sei
    sie noch so gegensätzlich, wird im Tanz als Ganzes
    wunderbar harmonieren.
    **NAHEEMA**

  5. Eine Tribal Fusion Tänzerin trainiert wie eine professionelle Bühnentänzerin mit unterstützendem Zusatztraining wie Yoga, Kräftigung, Stretching ja sogar HIIT oder gar Cross Training, um ein möglichst ausdauerndes, kräftiges und bewegliches Ziel der Tanztechnik zu erreichen. Was hältst du davon?
    Ja, das merkte ich bald, dass die Tribal Fusion Dozentinnen trainieren, wie wir als Schülerinnen damals in der Tanzberufsschule Nina Macciacchini, was mich natürlich enorm erfreute! Auch vor meiner Tanzausbildung trainierte ich schon immer Bauchmuskelübungen im Fitnessstudio und für mich zu Hause. Ja klar, Gefallen an solchen Übungen hatte ich ja schon sehr früh! Schon bald ging ich nach dem Motto, man kann schliesslich nicht nur tanzen und vom Körper abverlangen, ohne ihn mit unterstützenden Übungen zu stärken. Deshalb halte ich sehr viel von diesem Zusatztraining, dessen positive Wirkung einem ja auch im Alltag oder Beruf hilft und zudem die eigene Fitness unterstützt.
  6. Wie oft absolvierst du dein Zusatztraining? Welche Art von Training integrierst du in dein Workout?
    Für mich zu Hause übe ich jeden Morgen Yoga und mache einige Kraftübungen, da hänge ich dann noch eine Meditation von ein paar Minuten an. 2 – 3 Mal in der Woche mache ich zu Hause Pole Dance. Ich stretche mit der Faszienrolle und übe eine stetige aber sanfte Dehnung meines Rückens mit dem Yoga-Rad. In meinen eigenen Kursen, die ich in Bern und Murten unterrichte, integriere ich Yoga, Kraftübungen, HIIT und Stretching. Einmal pro Woche gehe ich eine Stunde in den Pole Dance Kurs. Diese eine Stunde geniesse ich sehr!
  7. Kommen wir zu den Tribal Fusion Basics, welche ja unabdingbar sind für eine Tänzerin, diese immer wieder zu üben. Wie oft trainierst du diese?
    Diese trainiere ich 2 x pro Woche in meinen Kursen und beim Vorbereiten meines Unterrichts.
  8. Wie häufig übst du deine eigenen Choreographien und deine Tänze aus deinen Kursen?
    Meine eigenen Choreographien übe ich immer täglich oder alle zwei Tage 2 – 3 Wochen vor einem Auftritt. Das muss ich, sonst vergesse ich die Choreographie! Bei mir muss sich der Tanz im Körper verinnerlichen und automatisieren, sonst mache ich lieber eine Improvisation, dann habe ich keinen Druck auf der Bühne. Bei den Tänzen aus meinen Kursen ist es einwenig anders, da übe ich immer die neuen Parts, die ich dann im Kurs unterrichte, beim Vorbereiten meines Kurses, also am Vortag oder am gleichen Tag, an dem der Kurs ist.
  9. Verwendest du deine Schülerinnen-Choreographien auch für deine eigenen Solo-Auftritte oder kreierst du dir da immer neue Tänze?
    Meistens kreiere ich für meine Solo-Auftritte neue Tänze, denn ich kann meistens die Musik nicht mehr hören! Und bei der tollen Musik, die uns Tribal Fusion Tänzerinnen zur Verfügung steht, gibt es eine so grosse wunderbare Auswahl! Hinzu kommt, dass bei mir meistens aus dem Nichts (im Alltag, beim Hausarbeit erledigen) plötzlich ganz kreative neue Bewegungskombinationen oder -Muster entstehen, so kann ich dann fast nicht anders, als mir neue Werke zu erschaffen. Leider komme ich so, immer neues und noch mehr zu Kreieren – halt dann oft unter einen zeitlichen Druck, weil ich nebenbei noch andere Projekte habe. Aber das gehört wohl ein bisschen zum Künstlerdasein.
  10. Tribal Fusion wird ja auch einem Hauch Mystik zugeschrieben, vor ein paar Jahren war das noch deutlicher zu sehen… Integrierst du diese Mystik in dein Tanzschaffen? Wie?
    Ich integriere die Mystik oft in meine Solis oder in die Gruppenchoreographien mit mystischer Musik vor allem am Anfang einer Choreographie. Ich lasse die Musik auf mich wirken und versuche einen mystischen und geheimnisvollen Ausdruck im Tanz zu schaffen. Wenn ich z. B. 2 oder 3 verschiedene Musikstücke für ein Tanzstück zusammenschneide, kann ich gut z. B. am Anfang ein mystisch wirkendes Lied verwenden. Ich kann mir auch gut vorstellen mit entsprechendem Licht oder Nebel auf der Bühne zu arbeiten. Mit Tüchern oder Schleiern könnte ich eine geheimnisvolle Atmosphäre im Einklang mit der Musik auf der Bühne für die Zuschauer schaffen. Für mich hat dieses Video von Rachel Brice, welches ich oben bereits erwähnt habe, eine enorm mystische Wirkung auf mich. Jedoch auch eine starke Frauengruppe, die Frauenpower im Tanz präsentieren kann, wirkt sehr mystisch auf mich.
  11. Nun zur „Allerweltsfrage“, nämlich zu deiner Work Life Balance: Schaffst du es, Training, Tanz und all deine Tanzprojekte, Events und Shows mit deiner Familie, deinen Freunden, deiner Arbeit (falls du noch einen andern Job hast) unter einen Hut zu bringen? Wie gehst du damit um? Hast du da ein bestimmtes Vorgehen oder eine geeignete Lösung?
    Den Ausgleich habe ich mit meiner Familie, denn während dem ich mit der Familie zusammen bin, arbeite ich nicht an den Tätigkeiten, die mit dem Tanzen oder Bewegen zu tun haben. Es sieht danach aus, dass ich meist alles schaffe, was mit dem Tanzen zu tun hat. Beim Haushalt sieht es da meist etwas anders aus. Da ist noch ein Wäschekorb mit frischer Wäsche, die versorgt werden sollte, der Boden sollte gesaugt und gefegt werden… In den letzten Jahren lernte ich darüber hinweg zu schauen. Das Leben ist manchmal wichtiger als Hausarbeit erledigen… 😉 Aber, das habe ich seit kurzem herausgefunden, versuche ich nun meist immer alles gerade sofort zu machen, so kann sich nichts mehr anhäufen im Haushalt.  Zurzeit habe ich sehr viele Tanz- und Bewegungsprojekte offen, an denen ich arbeite. Was mir enorm hilft und das mache ich auch erst seit ein paar Monaten, wenn ich morgens früher aufstehe, für mich trainiere und kurz meditiere. Anschliessend setze ich mich an den Computer und versuche möglichst effizient meine Aufgaben zu erledigen. Wichtig ist hierbei, dass ich mein Handy bis ca. 9 Uhr ausgeschaltet lasse. Ich versuche nur Wichtiges auf Facebook und bei den eMails zu erledigen, d.h. Beiträge schreiben, posten, publizieren aber darauf achten, dass ich nicht wahllos Beiträge bei Facebook lese, die nicht wichtig für mich sind.
  12. Wie schaffst du dir selber Ruhe und Erholung für deinen Körper und um gedanklich abschalten zu können?
    Ganz klar im Pole Dance. Es ist zwar nur eine Stunde pro Woche, aber diese 60 Minuten Zeit nur für mich zu haben, sind gold wert! Dann sicher Zeit verbringen mit meiner Familie im Garten oder beim Spazieren lässt mich abschalten.
  13. Welche Message möchtest du all den Tänzerinnen und Tänzern mitteilen, die mit Tribal Fusion beginnen wollen?
    Manchmal hast du eine Idee oder ein Vorhaben im Kopf…jedoch du führst es nicht aus. Du behältst es ständig im Hinterkopf und sagst dir innerlich, dass du es dir dann bald vornehmen wirst. Tage, Wochen, Monate gar Jahre vergehen und dein geliebtes Vorhaben, welches dich anfänglich dermassen begeistert hat, schreitet immer mehr in den Hintergrund. Wenn du mit Tribal Fusion Tanz anfangen möchtest, so tue dies wirklich so schnell wie möglich! Tribal Fusion zu tanzen gibt dir nicht nur ein gutes Tanzgefühl, sondern hilft deinem Körper auch Kräftigung und Flexibilität einzubringen.
    Du wirst dich dann wundern, weshalb du nicht schon früher mit diesem Tanzstil angefangen hast. Schenke dir am Anfang viel Geduld und Zeit und vergiss den Spass am Tanzen nie! Tribal Fusion zu lernen, zu trainieren oder zu tanzen in einer tollen Frauengruppe, in einem genialen Kurs wird dir viel Freude bereiten und Motivation bringen! Beim Tanzen wirst du den Tribal Groove spüren, manchmal fest mit deinen Füssen im Boden verwurzelt sein und deine alltäglichen Sorgen vergessen. Schon einige Momente dies zu erleben, kann dein Leben mit  Glücksgefühlen bereichern.
  14.  Was möchtest du sonst noch zum Thema Tribal Fusion Tanz der Online Tribal Fusion Community mitteilen?
    Ich freue mich, dass es so viele verschiedene und einzigartige Tänzerinnen, Tänzer und Gruppen gibt, die ihr Schaffen und ihre Werke mit uns teilen. Ich wünsche mir, dass weiterhin wenig Konkurrenz in der Tribal Szene besteht. Ich kann mir gut vorstellen, um die Community weiterhin miteinander so gut wie es geht zu verknüpfen, in Zukunft spannende gemeinsame Projekte auf die Beine zu stellen.